Sabine
Schnell
fotografie wird historisch und medienbedingt immer mit
wirklichkeit und evidenz in verbindung gebracht. aber die vorgebliche
faktizität wirklichkeitsabbildender fotos lässt unserer imagination
und phantasie und unseren assoziationen wenig spielraum. erst wenn die
referenz von fotografien zur sog.realität genutzt, diese
aber gleichzeitig als manipulierbare fiktion erkannt wird, kann sie sich
sinn- und lustvoll entfalten.
sich fotografisch in diesem zwischenraum anzusiedeln, heisst, sich auf
die suche nach dem 'anderen' zu begeben, nach einem nicht benennbaren.
das können mutmassungen sein, über das, was den meisten als
wirklichkeit entgegenkommt, sich aber als eine zone der übergänge
von subjektiv geschehenem zu einem willkürlichen memento erweist.
bilder werden zu konstruktionen, zu der fiktiven erstellung einer spur
des gewesenen: zu geschichten oder eindrücken, die nie so waren,
aber immer wahrer werden, je öfter sie erzählt oder - vor allem
- bebildert werden.
unser wunsch des sehens ist auf ein sichtbar verborgenes gerichtet. er
manifestiert sich in einem begehren nach dem begreifen, durch ein greifen
nach dem unsichtbaren oder nur schemenhaften, ungefähren. diesem
oft abgewehrten (weil lustversprechenden) wunsch, die verbotenen, verborgenen
zonen zu sehen, entspricht bildnerisch das halbdunkel, die abstraktion,
schattenhaftigkeit und unschärfe. das andere, auch das
'unheimliche', kann auftauchen. sobald licht auf den phantasmatischen
raum fällt, ist er entzaubert, nicht mehr tauglich fürs begehren.
verschiedene versionen von erklärungen können gelten. es geht
um einen assoziativen blick und das verändern und verschwindenlassen
des konkreten...
>
in der ästhetik des verschwindens sind uns die dinge umso präsenter,
je mehr sie uns entgleiten..< ( paul virillio ).
zur Biographie von Sabine
Schnell |
|
 |